Geschichte

Zum 150. Todestag Leo von Klenzes

Am 27. Januar 1864, also heute vor 150 Jahren, starb der bayerische „Hofbauintendant“ Leo von Klenze in München, gut einen Monat vor Vollendung des achtzigsten Lebensjahres. Franz Karl Leopold von Klenze stammte aus dem nördlichen Harzvorland. 1815 wurde er als Privatarchitekt des damaligen Kronprinzen Ludwig nach München berufen. Als Hofarchitekt des 1824 zum König aufgestiegenen Ludwig I. zählt Klenze zu den vielseitigsten und bedeutendsten süddeutschen Architekten des 19. Jahrhunderts. Auch zum Bau der alten Marktheidenfelder Mainbrücke hat er einen Beitrag geleistet. So ist überliefert, dass er mehrmals die Baustelle besuchte, „um vor Ort und Stelle dem Ingenieur mehrere gewünschte Aufschlüsse über die architektonische Gestaltung“ des Brückenbaus zu geben. Klenze schreibt in einem Brief vom 1. August 1841 an König Ludwig I. von Bayern weiter: „Dieser Brückenbau ist wohl ohne Zweifel der größte, welcher jetzt in Teutschland ausgeführt wird und die Pracht des Materials und schöne Construction werden der Größe des Ganzen wohl entsprechen.“ Klenzes Werkverzeichnis mit eigenen Planungen und Beteiligungen umfasst 195 Nummern; die Revision des Brückenbaus in Marktheidenfeld wird als Nummer 160 geführt.

Ludwig I. bevorzugte im Bereich des Bauens den Klassizismus, die Rückbesinnung auf die architektonische Formensprache auf die griechische und römische Antike, später zudem auf Romanik und Gotik. Diese Rückbesinnung dokumentiert letztlich auch die Gestaltung der Marktheidenfelder Mainbrücke, die am 29. Januar 1846 eröffnet worden ist. Leo von Klenze schuf die Walhalla bei Donaustauf, die Befreiungshalle in Kelheim, die Konstitutionssäule in Gaibach (Volkach), in München die Feldherrnhalle am Odeonsplatz oder den Monopteros im Englischen Garten. Außerdem wirkte er maßgeblich mit, in München Ludwigstraße und Königsplatz klassizistisch zu gestalten.

Text: Michael Deubert

 


 

Die alte Marktheidenfelder Mainbrücke:
„Eine der schönsten Brücken, die in der neuesten Zeit entstanden sind.“  

Von Michael Deubert

 

Die alte Marktheidenfelder Mainbrücke wurde am 29. Januar 1846 dem Verkehr übergeben. Sie quert den Main bei Flusskilometer 179,79 und war die erste Mainbrücke zwischen Würzburg und Aschaffenburg.

In Folge des Wiener Kongresses 1815 wurde Unterfranken mit dem Großherzogtum Würzburg und dem Fürstentum Aschaffenburg dem Königreich Bayern zugeschlagen. Um die neuen Landesteile besser zu erschließen, ließ König Ludwig I. von Bayern die Landverbindung zwischen Würzburg und Aschaffenburg ausbauen. Dazu sollte auch eine feste Überquerung des Main gehören und die eher unsichere Furt bzw. Fährverbindung bei Lengfurt ersetzen. Die neue Straße zwischen Würzburg und Aschaffenburg sollte später als Staatsstraße Nummer 148 geführt werden. Gegen den Protest der Gemeinden Lengfurt, Altfeld und Kredenbach sowie der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg als Eigentümer des Schlosses Triefenstein traf Ludwig 1835 die Entscheidung, die Mainbrücke bei Marktheidenfeld bauen zu lassen. „Bei“, weil die Bebauung Marktheidenfelds mit der Obertorstraße endete. Hauptgründe für den Bau hier und nicht in Lengfurt waren der geeignetere Baugrund und eine einfachere Straßenführung auf beiden Seiten des Maintals. Nachdem Ludwig den Neubau im Juni 1835 genehmigt hatte, schickte die Regierung des Untermainkreises, wie Unterfranken damals hieß, Mitte August zwei Entwürfe an das Innenministerium. Die Entwürfe sahen alternativ eine eiserne Kettenbrücke und eine Steinbrücke vor. Am 18. November 1835 bewilligte König Ludwig den von Leo von Klenze korrigierten Entwurf der Steinbrücke mit der Auflage „dass wie die alt-römischen Quader die Steine dieser Brücke behauen werden sollen“. Weitere Änderungen erfolgten während der Bauarbeiten. Im Winter 1838/39 machten Hochwasser und Eisgang eine Erhöhung der Pfeiler (drei waren bereits fertig gestellt) um etwa siebzig Zentimeter notwendig. Leo von Klenze besuchte mehrmals die Baustelle, „um vor Ort und Stelle dem Ingenieur mehrere gewünschte Aufschlüße über die architektonische Gestaltung“ des Brückenbaus zu geben. Klenze schreibt weiter: „Dieser Brückenbau ist wohl ohne Zweifel der größte, welcher jetzt in Teutschland ausgeführt wird und die Pracht des Materials und schöne Construction werden der Größe des Ganzen wohl entsprechen“ (Klenze in einem Brief vom 1. August 1841 an Ludwig I.). Klenze bestimmte während seiner Visiten gestalterische Veränderungen wie die Erhöhung der Flügelmauern seitlich der Widerlager. Ende 1845 war die Brücke fertig – Gesamtlänge 190,4 Meter, Breite zehn Meter, längste Stützweite 27,2 Meter. Die Widerlager und der erste östliche Pfeiler, der noch auf Land steht, sind flach auf dem natürlichen Fels gegründet, die restlichen fünf Pfeiler stehen auf Pfählen aus Eichenholz mit 25 Zentimetern Durchmesser. Die Baukosten betrugen 460000 Gulden, veranschlagt waren 265000 Gulden. Die Leipziger „Illustrirte Zeitung“ rühmt im Artikel „Die neue Brücke bei Markt Heidenfeld“ die Brücke noch vor ihrer Verkehrsfreigabe: „Dieselbe ist ganz aus Quadersteinen von rothem Sandstein in römischen Style erbaut und es stellen sich die der Großartigkeit des Baues entsprechenden sehr gefälligen Verhältnisse des ganzen Werkes auch dem weniger unterrichteten Beschauer so einfach und verständlich dar, daß der Berichterstatter, dem schon manche derartige Werke entgegengetreten sind, nicht zu viel zu sagen glaubt, wenn er behauptet, daß diese Brücke eine der schönsten ist, die in der neuesten Zeit entstanden sind.“

Die Eröffnung der Brücke erfolgte am 29. Januar 1846. Der Marktheidenfelder Chronist Georg Trunk berichtet: „Erster Fuhrmann über die Brücke war Federlein aus Nürnberg mit einem von sechs Pferden gezogenen schwer beladenen Güterwagen“. Vorher schwärmt er: „Bei Marktheidenfeld wurde auf Staatskosten eine steinerne Brücke über den Mai erbaut, so massiv und schön, wie am Mainufer keine mehr steht.“ Auf Veranlassung des Königs fand ein Modell der Brücke in der Polytechnischen Schule zu München Verwendung bei den Vorlesungen über Brückenbau.

Ludwig Braunfels schreibt in seinem Buch „Die Mainufer und ihre nähere Umgebung“, 1847 erschienen: „Die neue Straße, die von Aschaffenburg hier durch nach Würzburg führt und die bisherige Überfahrt bei Lengfurt entbehrlich mach, wurde Anlaß zum Bau der neuen Brücke, die eine der schönsten in Deutschland ist. In sieben gewaltigen Bogen prangt das stattliche Werk zur Zierde der Gegen und zur Ehre seines Erbauers, des Ingenieurs May.“ Braunfels meint Georg Heinrich May, den Leiter der Königlichen Bauinspektion Aschaffenburg.

 

(Ergänzte Fassung eines Beitrags für die Main-Post, Ausgabe Marktheidenfeld, erschienen am 9. Januar 2014)